Ich wusste, was mir blüht“

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Gerrit Heginger vom TuS Hohne/Spechtshorn hat den Ultramarathonlauf mit einer Wegstrecke von 100 Kilometern in Biel/Schweiz zum vierten Mal gefinisht. Da der TuS keine eigene Leichtathletiksparte hat, startete Gerrit für seinen Lieblingsverein Eintracht Braunschweig. Hauptsache Blau/Gelb. Die Cellesche Zeitung hat Gerrit interviewt.

 

Mit 69 Jahren: Gerrit Heginger übersteht Ultramarathonlauf in der Schweiz

Audrey-Lynn Struck

BIEL. Es ist kurz vor 22 Uhr, der Himmel wird langsam dunkel und man kann schon vereinzelt die Sterne sehen. An Schlaf ist für den Rentner Gerrit Heginger jedoch noch lange nicht zu denken. Denn um Punkt 22 Uhr fällt im schweizerischen Biel der Startschuss für den 61. Ultramarathon. Durch die Nacht geht es für den Sandlinger an Dörfern vorbei, wo die Bewohner vor Gaststätten sitzend ihn lautstark anfeuern. Das Licht einer Stirnlampe weist ihm den Weg, während er über Feldwege und asphaltierte Strecken hinwegläuft und irgendwann die aufgehende Sonne die Stirnlampe ablöst. Nach 15:17 Stunden hat der Leichtathlet von Eintracht Braunschweig es geschafft: Um 13.17 Uhr überquert er nach 100 Kilometern die Ziellinie.
„Das Gefühl, durchs Ziel zu laufen, war natürlich unglaublich“, sagt Heginger, der bereist zum vierten Mal bei dem Ultramarathon antrat. Insgesamt 669 Läufer hatten in diesem Jahr bei dem Schweizer Lauf die Chance, innerhalb von 20 Stunden das Ziel zu erreichen. In Hegingers Altersklasse 65 gingen 32 Männer an den Start, unter denen der Rentner selbst den 13. Rang belegte. Der Gesamtsieger des Marathons war Florian Vieux. Der Mitte-30-Jährige beendete bereits nach rund sieben Stunden seinen Lauf. Der Sandlinger Heginger kam in der Gesamtwertung auf den 399. Rang.
„Das Gefühl, durchs Ziel zu laufen, war natürlich unglaublich.“
Eigentlich war Heginger in seiner Jugend begeisterter Fußballspieler. Mit Mitte 20 entdeckte er dann jedoch seine Leidenschaft fürs Laufen. „Beim Fußball gibt es die Dauerläufer, aber wenn der Ball kommt, haben sie ein Problem. Ich habe auch gemerkt, dass ich beim Laufen eigentlich besser aufgehoben bin“, erzählt der Sandlinger lachend. Etwas später fing er dann mit dem Marathonlauf an, für den man eine besondere Sorte von Leichtathlet sein müsse: „Dir reichen kürzere Strecken nicht, du willst noch ein bisschen weiter laufen.“ Für die längere Distanz ist vor allem eine gute Ausdauer sehr wichtig. Auf jeden Lauf bereitet sich der 69-Jährige gut vor – so auch auf den diesjährigen Ultramarathon. Er las Handbücher über das Laufen sowie zum Thema Ernährung und modifizierte seine Trainingspläne. „Man muss schon ein gewisses Kilometerpolster haben“, weiß der Leichtathlet aus Erfahrung. Für den Ultramarathon trainierte er seit einem halben Jahr und legte jeden Monat im Schnitt 200 Kilometer zurück. „Mein Alter macht sich natürlich bemerkbar. Ich kann nur so viel trainieren, wie ich aushalte“, sagt Heginger, der großen Wert auf das richtige Maß bei seinem Training legt.

„Irgendwann kommt die Krise, du ermüdest und dein Körper streikt. “
Nach 18 Jahren Pause in dem Ultramarathon-Bereich trat der Sandlinger dann vor gut einer Woche in der Schweiz an den Start. Sein größter Vorteil neben dem Training: Erfahrung. „Dadurch, dass ich vorher bereits dreimal dort gelaufen bin, wusste ich, was mir blüht“, so Heginger. Der Trick, um die Langdistanz zu schaffen, ist, sich die Strecke in Scheiben vorzustellen. Während man am Anfang noch den Lauf als Ganzes sehen könne, würden einen irgendwann die Kräfte verlassen. „Ich kann trainieren, so viel ich will. Irgendwann kommt die Krise, du ermüdest und dein Körper streikt. Dann denkt man nur noch an die nächsten Kilometer, den nächsten kurzen Schluck Wasser bei der Trinkstation.“ Ganz am Ende, wenn die Beine einen kaum noch tragen, marschieren dann viele.
Ob der Rentner noch einmal beim Ultramarathon antreten möchte, lässt er offen. An sich würde er gerne seine Zeit von über 15 Stunden unterbieten. „Nach 18 Jahren Pause in dem Bereich kann man sich noch verbessern“, ist sich Heginger sicher. Schließlich gelang es ihm im Jahr 2001, in unter elf Stunden das Ziel zu erreichen. „Aber so kurz nach dem Lauf bin ich echt erledigt, mit dem Ultramarathon reicht es jetzt auch wieder erst einmal.“

 

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