Bad pflegen ist gemeinsame Aufgabe

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Zwei Tage wird gefeiert: Förderverein sorgt seit 25 Jahren für Erhaltung der Hohner Freizeiteinrichtung

Das Sprichwort „Man soll die Feste feiern, wie sie fallen“ bringt es auf den Punkt. Das Waldbad Hohne/Spechtshorn hat am Samstag,
29., und Sonntag, 30. Juni, gleich doppelten Grund zu einer ausgelassenen Feier. Seit 65 Jahren besteht das Waldbad und seit 25 Jahren gibt es den Förderverein, dessen Mitglieder sich seitdem aktiv für den Erhalt der beliebten Freizeiteinrichtung einsetzen. Streng genommen
wird noch aus einem dritten Grund gefeiert: Seit 10 Jahren ist der Förderverein auch der Betreiber des Bades, das Eigentum der Samtgemeinde Lachendorf ist.

Im Juni 1994 wurde der Verein gegründet – eigentlich aus einer Not heraus, wie der Vereinsvorsitzende Erhard Thölke erzählt. Anfang der 1990er Jahre hatte der Landkreis Celle ein sogenanntes Bädergutachten in Auftrag gegeben. Die Studie befasste sich mit der Wirtschaftlichkeit und den Zukunftschancen der Bäder. Um es vorwegzunehmen: Das Gutachten bescheinigte dem Waldbad Hohne-Spechtshorn keine rosige Zukunft. „Der Landkreis wollte viele Bäder schließen. Wir wussten aber: Wir müssen das Bad erhalten“, erläutert Thölke.

Kurzum, es wurde ein sinnvoller Sanierungs- und Erneuerungsplan erarbeitet. Thölke, damals Bürgermeister der Gemeinde Hohne und Lachendorfer Samtgemeindebürgermeister, startete mit seinem Stellvertreter Heinrich Westermeyer eine Bürgerinitiative für das Waldbad. Ihnen war bewusst, dass kommunale Hilfe allein nicht reichen würde, um das idyllisch gelegene Bad vor dem Aus zu retten – es war der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Heute zählt der Förderverein 250 Mitglieder. „Sich um das Bad zu kümmern, ist eine echte Gemeinschaftsaufgabe“, sagt Thölke. „Es geht bei uns aber nicht nur um Spiel, Spaß und Sport, sondern wir sind auch eine soziale Einrichtung“, erläutert Thölke, der seit der Gründung an der Spitze des Vorstandes steht. Da immer weniger Kinder schwimmen können, werde der Schwimmunterricht immer wichtiger.

Das Waldbad ist ein Treffpunkt, es sorgt in der Gemeinde Hohne für Identität. „Die Leute hier sind mit dem Herzen dabei, dadurch sieht die Anlage so gepflegt aus“, pflichtet Hans-Rainer Rohde, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, dem Vorsitzenden bei. Das Bad sorgt darüber hinaus auch für Jobs: Schwimmmeister, Kassierer, Gärtner oder Reinigungskraft – sie alle haben hier eine Beschäftigung gefunden. 60.000 Euro steuert die Samtgemeinde als Eigentümer jährlich bei. „Das ist wenig, aber wir kommen damit aus“, so Thölke. Das zeigt, wie immens wichtig der Förderverein für das Schwimmbad ist. Mit einem Mindestbeitrag von 2 Euro im Monat werden die Gestaltung und der Betrieb des Bades auch weiterhin gesichert.

Die Sanierung des Schwimmbeckens im Jahr 2010 war ein finanzieller Kraftakt und hat 750.000 Euro gekostet. „Ohne die Schmarloh-Stiftung als Hauptunterstützer sähe es hier heute nicht so aus“, betont Thölke. Sein Pressewart Rohde wiederum hatte in den 1990er Jahren die Idee, mit einer Solaranlage für die Erwärmung des Wassers zu sorgen – das war zur damaligen Zeit eine Innovation. Inzwischen trägt die Biogasanlage eines Hohner Landwirts zu den angenehmen Badetemperaturen bei.

Der ungewöhnlich heiße Sommer im vergangenen Jahr tat Bad und Förderverein gut. Rund 41.000 Gäste kamen nach Hohne, um sich im Waldbad
abzukühlen. In „normalen“ Jahren liegt die Zahl der Badegäste bei 20.000 bis 25.000. Jeden Morgen kommen etwa 40 bis 50 Frühschwimmer vorbei. Viele Schattenplätze, ein weitläufiges Gelände mit einer Liegewiese von 12.000 Quadratmetern und immer wieder neue Ideen zur Gestaltung des Geländes sorgen dafür, dass dem Bad nicht die Gäste ausgehen.

Die Besucher kommen zum Teil von weit her. Einen guten Ruf machte sich das Waldbad Hohne-Spechtshorn besonders im Jahr 2013. Bei einem landkreisweiten Freibadvergleich der Celleschen Zeitung erhielt die Einrichtung im Ostkreis den ersten Platz.

(Bericht Cellesche Zeitunge 22.Juni 2019 von Carsten Richter)

Ergänzende Berichte

Das Waldbad kennen Birgit und Eckhard Szeppek seit ihrer Kindheit. Beide sind „echte Hohner“ – der ehrenamtliche Einsatz im Vorstand war und ist für sie selbstverständlich. Von Anfang an gehören sie dem Förderverein an. Während Birgit Szeppek die Geschäftsführung übernommen hat, ist ihr Mann der Leiter des Bauteams geworden.

„Wir sind schon als Kinder mit unseren Eltern hierhergekommen und haben auf dem Frosch gesessen“, erzählt Eckhard Szeppek und spricht die
große gusseiserne Skulptur an – ein Markenzeichen. Dadurch entstand schon in frühen Jahren ein enger Bezug zu der Einrichtung. Hinzu kommt, dass beide Mitglieder des DLRG Ortsvereins Celle sind. Schon vor Gründung des Fördervereins hat Eckhard Szeppek im Rahmen des Ferienpasses Schwimmprüfungen im Waldbad abgenommen. „Es ist toll zu sehen, wie Kinder das Bad nach wie vor nutzen“, so Szeppek. „Sie stehen Schlange an der Rutsche und drehen ihre Runden“, freut er sich.

„Die Sanierung des Schwimmbeckens 2010 war eine extreme Aufwertung“, benennt Eckhard Szeppek einen der Höhepunkte in der Geschichte des Fördervereins. Schon für den Bau der Großrutsche 1997 seien sehr viele Ehrenamtliche mobilisiert worden. „Die Vorstandsarbeit macht Spaß, hier herrscht ein gutes Klima“, sagt Szeppek.

Derzeit besteht der Vorstand und erweiterte Vorstand sowohl aus alteingesessenen als auch aus neueren Mitgliedern. Diese Mischung tue dem Verein gut, sagt Birgit Szeppek. In der Geschäftsführung sei der Verwaltungsaufwand in den vergangenen Jahren gestiegen, erzählt sie. Dennoch ist das Ehepaar mit Leib und Seele dabei. „Für uns ist das Waldbad eine Herzensangelegenheit“, sagt Birgit Szeppek. (car)

Mit der Errichtung des Dea-Betriebsgeländes entstand 1954 auch das Freibad. In der Nachkriegszeit war es eines der ersten Bäder in der Region. Als Pressewart Hans-Rainer Rhode vor etwa zehn Jahren einer älteren Frau aus Braunschweig seinen Wohnort nannte, habe sie spontan erwidert: „Das ist doch da, wo sie das schöne Freibad haben“, erzählt er und lacht.

Schnell gelangte das Bad also zu einer weit über Hohne hinausragenden Bekanntheit, die bis heute anhält. „Früher war das hier ein Urlaubsort“, erzählt Rhode. Dadurch erfährt das Bad auch heute noch große Unterstützung.

Wenn auch die Anfänge des Bades mit dem Erdölförderbetrieb Dea verbunden sind, so ist es der Förderverein, der seit seiner Gründung 1994 für die Erhaltung der Einrichtung sorgt. Jährlich werden Erneuerungen vorgenommen. Ein paar Beispiele: die Errichtung der Riesenrutsche
1996/97, im selben Jahr der Bau eines Beachvolleyballfeldes. 1998/99 wurde die Solaranlage installiert, 2002 der Kiosk gepflastert, ein Jahr später wurde der Zaun an der zuvor errichteten Minigolfanlage aufgestellt, 2004 wurden dann neue Startblöcke errichtet – alles passierte mit Unterstützung des Fördervereins.

Darüber hinaus startete der Förderverein 2003 die Aktion „Schwimmbadbus“. An dem Projekt beteiligt waren die Samtgemeinden Wesendorf und Lachendorf und die Gemeinden Ummern und Hohne. Der Bus fuhr in den Ferien und brachte Kinder und Erwachsene auch aus den anderen
Mitgliedsgemeinden zum Waldbad. Ab 2005 wurde die Aktion vom Landkreis Celle unterstützt, das eingesetzte Fahrzeug der CeBus fuhr allerdings nur noch die Orte im Landkreis Celle an, wurde aber aus öffentlichen Mitteln und einem kleinen Zuschuss des Fördervereins
bezahlt. Auf seine Leistungen blickt der Verein stolz zurück. (car)

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